Perfekter Segeltrimm - Fäden lügen nie

Grundlagen des Segeltrimm

An vielen Stellen lassen sich Optimierungen vornehmen. Doch kein Bereich ist so komplex wie der Trimm der Segel. Selbst für  erfahrene Skipper sind die Segeltrimm Situationen immer wieder anders, je nach Bootstyp und Wind -Bedingungen.

Der große Einfluss des Segeltrimm ist vor allem auf dem Am Wind und Hoch Am Wind Kurs zu spühren. Das Eine ist natürlich die Geschwindigkeit, die aber ja von sehr vielen Faktoren wie Zuladung, Segeltragzahl, Wiederstand im Wasser durch gezogenes Dinghi und Festpropeller oder den Bewuchs abhängig ist. Das Andere ist das Fahrverhalten, wie bei einem Auto. Hier geht es um den Ruderdruck, den Reffzeitpunkt und die Krängung.

Da es extrem viele verschiedene Bootstypen gibt, sind auch die Riggs der Segelboote sehr unterschiedlich. Nicht nur zwischen einer Jolle und einer Kielyacht, sondern auch entsprechend des Alters der Boote hat sich die Rigg-Geometrie sehr verändert. 

In den 80er Jahren gab es die erste große Änderung, als die Masten auf den Yachten nach und nach weiter vorne geriggt wurden und dadurch die Großsegel größer wurden und im Laufe der Jahre dann die Vorsegel kleiner. Hier kommt auch die Unterscheidung von Fock und Genua her. Die Genua ist das bis hinter dem Mast reichende überlappende Vorsegel. Die Überlappung wurde in Prozent angegeben, also Genua 120% oder 140% mit jeweils 20 oder 40% der Fläche hinter dem Mast

Irgendwann waren dann die Großsegel größer als die Vorsegel. In den 90er Jahren hat Hanse Yachts das mit der Selbst-Wende Fock perfektioniert. Seit ungefähr 15 Jahren werden Riggs verbaut, die angefeilte Salinge haben und die Püttingeisen stehen mal mehr, mal weniger weit ganz außen am Rumpf und deutlich hinter dem Mast. So macht es keinen Sinn mehr, Vorsegel für die Kreuz zu nutzen, die außen um die Salinge geführt sind. Wenn die Genua nur bis zu den Salingen geht, kann der Fockschot Holepunkt deutlich weiter innen, also näher an derMittschifflinie angebracht werden. Dadurch können moderne Boote deutlich mehr Höhe am Wind fahren. Das kleinere Vorsegel wird über eine größere Großsegelfläche ausgeglichen.

Segeltrimm

Fäden lügen nie - Vorsegel trimmen

Von vorne nach hinten und von unten nach oben. Also zuerst das Vorsegel:

Die Fockschot so weit anziehen, bis die Fock bzw. die nicht überlappende Genua gerade so von Bugkorb und Relingstützen frei ist. 

Das Fockfall solllte entsprechend der Windstärke angezogen sein. Solange das Boot ohne Krängung segelt, dürfen leichte horizontale Falten im Vorliek sein. Sobald das Boot mehr als die Wohlfühlkrängung hat, sollte das Vorliek faltenfrei sein.

Den Holepunkt so einstellen, das eine gedachte Linie an der Verlängerung der Schot entlang gepeilt, ungefähr die Mitte des Vorliek trifft.

Jetzt sollte der Steuermensch nach dem vorderen, unteren Fadenpaar in der Fock den Hoch am Wind Kurs steuern. 

Der Fock- Trimmer stellt den Fock-Holepunkt so ein, das im selben Moment, alle Luv-Fäden im Vorliek auswehen. Geht die Krängung über 20 Grad hinaus muß der Holepunkt ca. maximum eine Hand breit nach hinten, also Richtung Heck des Bootes, um Twist im Segel zu erzeugen. 

Dieser Link führt zu einem Video, in dem der Twist sehr gut zu sehen ist: https://youtu.be/5ejhp31OH3A

 

Fäden lügen nie - Großsegel trimmen

Auch hier gilt von vorne nach hinten und von unten nach oben:

Zum losfahren die Schot so weit anziehen, bis das Killen des Segels gerade stopt.

Mit dem Großfall das Segel immer erstmal auf maximale Höhe setzen, ohne Falten parallel zum Vorliek. Das sind Überdehnungsfalten!!! Solange das Boot ohne Krängung segelt, dürfen leichte horizontale Falten im Vorliek sein. Sobald das Boot mehr als die Wohlfühlkrängung hat, sollte das Vorliek faltenfrei sein. Parallel zum Vorliekstrecker, ziehe ich auch den Unterliekstrecker an. Maximal geöffnet ist der Unterliekstrecker wenn zwischen die Mitte des Unterliek und dem Großbaum ungefähr eine Hand breit paßt. Downwind auf und Am Wind fest ab 15 Grad Krängung.

Dann geht es an den Segel-Twist:

Mit den Trimmelementen Achterstag bzw. Baumniederholer wird der Twist im Segel eingestellt. Auf dem Am Wind Kurs übernimmt die Großschot die Aufgabe des Großbaum Niederholers, den Großbaum nieder zu holen…. soweit logisch, also lose das Ding… erstmal. Wenn die Krängung des Bootes nicht zu stark ist, kann der Großtrimmer jetzt die Großschot anziehen, bis der oberste von 3 oder 4 gleichmäßig amAchterliek, NICHT bei den Segellattentaschen eingeklebten Fäden am Achterliek im Verhältnis 30 zu 70 % der Zeit die besagten 30% auf die Lee-Seite verschwindet. Ist der Faden in Lee, zeigt das Verwirbelungen am Achterliek. Will ich nicht, das bremst, also die Schot wieder etwas auf… 3 Finger  breit und warten was passiert. Faden bleibt in Lee? Dann weiter auf oder Faden weht permanent aus dann Großschot wieder fester und so weiter und so weiter. Ich taste mich an das Falsche heran, um das Richtige zu finden!!!

Der Traveller reguliert den Einfall-Winkel des wahren Windes und hat keinen Einfluß auf den Twist! Wenn ich bei wenig Wind mehr Twist im Achterliek will, damit das bischen Wind gut abfließen kann, öffne ich die Großschot. DerBaum steigt, also mehr Twist ABER wahrscheinlich auch mehr Gegenbauch. Etwas Bauch ist nicht schlimm aber muß nicht sein. Mit demTraveller kann ich den Slot zwischen Lee-Seite des Großsegel und Achterliek der Genua öffnen, ohne das Achterliek zu schließen. Ergo DEN TRAVELLER NACH LUV ZIEHEN… Aber nicht übertreiben.

Die Großbaum Nock soll, darf muß, nur leicht in Luv der Mittschiff-Linie stehen. Das sollte reichen…. Je nach Bootstyp mal mehr, mal weniger.

Ein ziemlich gutes Trimm-Video findest Du unter diesem Link: https://youtu.be/IMoqVKl7JGU?si=BA16dsfEv-jJdvaG

Je stärker der Wind wird, also auch wieder die Krängung, will ich depowern. Also das Segel flach trimmen und wieder Twist in das Achterliek. In welcher Form auch immer. Klassisch hilft dazu das Achterstag, das die Mastspitze nach hinten zieht und damit das Achterliek entlastet. Das Achterliek öffnet, der Druck kann raus, das boot fährt aufrechter. Jetzt sollte auch Twist in der Fock sein und dann kann der Großschot Traveller etwas nach Lee. Nicht zu weit, sonst entsteht wieder ein Gegenbauch im Großsegel!!!

Segeltrimm - Fäden lügen nie

Segeltrimm

Fäden lügen nie - Die Trimmelemente

Segeltrimm der Genua mit:

  • Fockfall Spannung 
  • Fockschot Spannung
  • Holepunkt Position
  • Inhouler  Position
  • VMG Up Bootsgeschwindigkeit
  • Speed Mode und High Mode
  • Liekbändsel Achterliek(kein Trimmelement)
  • evtl. Backstagen
  • Deflector
  • Babystag
  •  
Segeltrimm

Segeltrimm des Großsegel mit:

Segeltrimm
  • Großfall Spannung
  • Cunningham Strecker
  • Segellatten Spannung
  • Unterliekstrecker
  • Baumniederholer
  • Traveller
  • Achterstag
  • Wantenspannung ( D1 und D2)
  • Mastrotation
  • ( Dirk)
  •  

Segeltrimm - Fäden lügen nie

Einfluss des richtigen Segeltrimm auf Geschwindigkeit und Kontrolle

Segeltrimm Großsegel

Bauchiges und flaches Profil

Welches Trimmelement wann eingesetzt wird oder werden kann, ist natürlich von vielen Faktoren abhängig. Nicht immer sind die Standard Trimmelemente vorhanden, wenn z. B. ein Segel in den Mast gerollt werden muß. 

Es gilt aber immer, das der Segeltrimm in zwei Richtungen geht. Zum Einen wird die Profiltiefe verändert, also die eigentliche Form des Segels in bauchiges oder flaches Segelprofil verändert. Je älter die Segel sind, umso bauchiger ist das Segel durch Alterung und Nutzung. Ein bauchiges Segelprofil erzeugt mehr Druck, also auch mehr Vortrieb, ABER auch ab einer Windstärke mehr Krängung.

Mehr Krängung fühlt sich nicht schön an, verstärkt die Abdrift und erhöht den Ruderdruck. Ich will also die Bauchigkeit des Segels der Windstärke anpassen und wenn die Krängung je nach Bootstyp im Bereich ab ca. 20 Grad liegt, verändere ich die Profiltiefe hin zu einem flacheren Profil. Klassische Trimmelemente sind dazu die Vorliekspannung, also Fockfall und Cunningham Strecker und der Unterliekstrecker.

Segel-Twist im Achterliek

Bei zu viel Krängung und wenn das Segel schon flach getrimmt ist, kommt der nächste Schritt. Das ist derSegeltwist. Segeltwist ist ein starkes Trimm-Tool für alle Segel. In derFock üblicherweise über den Fockholepunkt verstellbar. Bei einem Code 0 hilft dafür in der Regel ein Barberhouler und beim Großsegel am Wind das Achterstag und DownWind der Baumniederholer. Klingt ganz einfach….. ist es aber nicht wirklich… Deshalb ist der Segeltrimm immer auch Inhalt bei meinen Trainings.